Zurück

Vom Blähbauch geplagt

Blähungen und Windungen sind etwas ganz Normales, können aber unangenehm sein. Wie entstehen eigentlich Darmgeräusche? Was kann man bei Blähbauch tun und wann sind weitere Abklärungen angezeigt?

Bereits 1705, etwas mehr als 100 Jahre vor der Entdeckung des Stethoskops, beschrieb Robert Huck, dass es möglich sei, Bewegungen in den inneren Organen zu entdecken. 1905, 200 Jahre später, schrieb Cannon ein erstes Schulwerk zum Thema «Darmgeräusche». Blähungen sind also ein uraltes Thema! Weitere Literatur ist dann allerdings rar.

Wenige Studien prüften den Zusammenhang der Darmgeräusche und der Darmtätigkeit, wobei fast keine Abhängigkeiten entdeckt werden konnten. Auch ist es nicht möglich, Darmgeräusche einem bestimmten Ort im Bauch zuzuordnen. Grundsätzlich sind Blähungen und Darmgeräusche also ganz normal, es sei denn, sie bereiten Beschwerden! Der untersuchende Arzt kann anhand des Charakters der Darmgeräusche entscheiden, ob es sich um eine normale oder krankhafte Darmtätigkeit handelt.

Durch Luftschlucken, Gas und Darmbakterien
Wenn Blähungen zu Beschwerden führen, lässt sich das nicht einfach messen, denn Blähungen hängen nicht mit der tatsächlichen Darmgasmenge zusammen. Auch lassen sich Patienten nicht untereinander vergleichen. Blähungen sind häufig, treten im Intervall auf und sind vor allem bei jüngeren Menschen meist absolut harmlos. Die meisten Blähungen entstehen durch Luftschlucken, aber auch durch Gas, das vom Blut in den Darm wandert oder durch Darmbakterien, die Gase produzieren oder chemische Reaktionen auslösen.

Darmgas, das aufgebaut wird, muss auch wieder abgebaut werden. Entsprechend kommt es zu Aufstossen, Windabgang und Rückfliessen vom Darmgas ins Blut. Bestimmte Bakterien bauen Gase wieder ab. Es werden knapp ½ bis zu 1 ½ Liter Gas pro Tag über den Mastdarm ausgeschieden. Dies geschieht ca. zehnmal pro Tag! Es besteht kein Bezug zwischen Häufigkeit des Darmgasabganges zu Alter oder Geschlecht. Aber wir schlucken sehr viel Luft! Wenn wir während des Essens schwatzen, lachen oder sehr schnell essen, schlucken wir pro Deziliter Nahrung zusätzlich 1.7 dl Luft mit. Hinzu kommt, dass Nahrungsmittel wie z.B. Softeis, Schlagrahm, kohlesäurehaltige Getränke oder künstliche Zucker lufthaltig sein können, was vermehrt Blähungen verursacht.

Zimt, Nelke & Co. können helfen
Aus all den vorgängig erwähnten Tatsachen leitet sich die Therapie ab. Wenn Sie von Blähungen geplagt sind, sollten Sie auf die Ernährung achten, gewisse Medikamente reduzieren und langsam essen. Nehmen Sie Verdauungsunterstützende Nahrungsmittel wie z.B. Zimt, Nelke, Ingwer, Kümmel, Pfefferminz, Artischocken und Fenchel zu sich. Auch ein alkoholhaltiges Getränk zur Verdauung (Digestive) hat seinen Platz. Der Alkohol führt dazu, dass die Durchblutung des Darmes gefördert wird und damit wieder mehr Darmgas ins Blut aufgenommen werden kann. Es gibt auch Medikamente, die helfen, die Luft abzubauen und die bedenkenlos eingesetzt werden können. Wenn zusätzliche Symptome und Warnsignale (z.B. Übelkeit und Erbrechen) hinzukommen, sollten Sie weitere Abklärungen treffen.

Kontaktperson

Dr. med. Nadja Lindenmann

Chefärztin Innere Medizin


Tel. 044 714 26 68

 

E-Mail

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 8 und 1.