Fragen & Antworten

 

Wieso wollen Betriebskommission und Spitalleitung den Zweckverband auflösen?

Die Rechtsform des Zweckverbands ist viel zu schwerfällig, um einen Betrieb mit 700 Mitarbeitenden in einem schnelllebigen Umfeld zu führen. Notwendige Investitionen in Medizintechnik oder Gebäude durchlaufen einen äusserst trägen Genehmigungsprozess. Der Zeitverlust bedeutet einen Wettbewerbsnachteil. Zudem sind die Delegierten im Zweckverband ein politisch, nicht fachlich zusammengesetztes Gremium, dessen Kompetenzen nicht auf der medizinstrategischen Ebene liegen.

Was würde passieren, wenn das Spital Affoltern ein Zweckverband bleiben muss?

2017 ist das Akutspital erstmals in die roten Zahlen gerutscht. Bei diversen Gebäuden besteht dringender Bedarf an Renovationen oder Neubauten. In der Rechtsform des Zweckverbands werden sich die Probleme nicht rasch genug lösen lassen. Es droht eine Abwärtsspirale aus steigenden Defiziten, fehlenden Investitionen, Austritten von Gemeinden, dem Abgang von Personal und dem Verlust von Patientinnen und Patienten. Die Existenz des Spitals wäre akut gefährdet.

Welche Alternativen zur Auflösung des Zweckverbands gibt es?

Die Betriebskommission und die Spitalleitung haben drei alternative Optionen fundiert geprüft und dabei ein eindeutiges Bild erhalten:

  • Eine Weiterführung des Spital Affolterns wie bisher ist nicht finanzierbar.
  • Ein Verkauf an einen privaten Anbieter zwecks Betriebs einer Fachklinik (die nur noch Innere Medizin, Geriatrie, Psychiatrie, Palliativmedizin und ambulante Chirurgie anbietet) bringt hohe unternehmerische Risiken und kaum einen Nutzen für die Bevölkerung mit sich. Zudem müsste auch für einen Verkauf zuerst die Rechtsform geändert werden – falls sich in der aktuellen Situation überhaupt ein Käufer finden liesse.
  • Eine Schliessung brächte ebenfalls Kosten für die Verbandsgemeinden und Nachteile für die Gesundheitsversorgung und letztlich den Verlust einer für den Bezirk wichtigen Institution mit sich.

Die meisten Spitäler stecken in Schwierigkeiten – wieso soll das Spital Affoltern in Zukunft profitabel arbeiten können?

Im Bezirk Affoltern mit seinen 55 000 Einwohnerinnen und Einwohnern besteht das Potenzial, ein Akutspital profitabel zu betreiben. Das Spital Affoltern ist zudem in mehreren Bereichen überregional attraktiv, und die Kooperation mit dem Stadtspital Waid und Triemli ermöglicht ein optimales Zusammenspiel einer wohnortnahen Grundversorgung mit einem grossen Zentrumsspital. Die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten liegen an der veralteten Infrastruktur, den ineffizienten Abläufen und den langwierigen Entscheidungsprozessen im Zweckverband.

Es gibt andere Spitäler in der Nähe, was hat die Bevölkerung von einem eigenen Spital?

Ein eigenes Spital stellt die medizinische Versorgung sicher, gerade auch angesichts des zunehmenden Hausärztemangels. Dank ihm können die immer häufiger werdenden ambulanten Behandlungen in der Nähe des Wohnorts erfolgen. Zudem schafft das Spital Arbeitsplätze und Lehrstellen (Lehrspital des Universitätsspitals für Medizinstudenten), es vergibt Aufträge an KMU, und es macht für viele den Charakter des Knonauer Amts mit aus.

Lässt sich die Gesundheitsversorgung im Knonauer Amt nicht einfach durch eine bessere Kooperation mit anderen Spitälern garantieren?

Das Spital Affoltern unterhält mit verschiedenen regionalen und überregionalen Spitalern langjährige Kooperationen und verstärkt nun die Zusammenarbeit mit dem Stadtspital Waid und Triemli. Eine umfassende Grundversorgung mit 24-Stunden-Notfall für die Region kann aber nur garantiert werden, wenn die entsprechenden Kernbereiche im Spital vor Ort erbracht werden. Zugleich eröffnet die Kooperation mit Partnern den Zugang zur spezialisierten Medizin über die Region hinaus.

Braucht es heutzutage überhaupt noch solche kleineren Regionalspitäler?

Die Erfahrung zeigt, dass auch kleinere Spitäler verlustfrei betrieben werden können. Meistens werden einfachere medizinischen Fälle – die den grössten Teil aller Fälle ausmachen – günstiger und besser in einem Regionalspital als in einem grossen Zentrumsspital behandelt. Die Kooperation mit dem Stadtspital Waid und Triemli ermöglicht ein optimales Zusammenspiel. Auch im Zusammenhang mit der abnehmenden Hausärztedichte wird ein wohnortnahes Spital immer wichtiger.

Besteht die Gefahr, dass der Kanton dem Spital Affoltern in Kürze die Leistungsaufträge entzieht?

Je besser sich das Spital Affoltern aufstellen kann, desto besser sind die Chancen. Die Rechtsformänderung und die strategische Neuausrichtung verbessern die Voraussetzungen, um die Leistungsaufträge zu sichern.

Das Spitalwesen ist eine Kantonsaufgabe, wieso sollen sich die Gemeinden dafür engagieren?

Der Kanton hat klar signalisiert, dass er das Spital nicht übernehmen wird (wie auch andere regionale Spitäler nicht). Dass ein privater Investor die Grundversorgung sicherstellt, ist unrealistisch. Wenn der Bezirk Affoltern eine gute Grundversorgung und ein eigenes Spital mit 24-Stunden-Betrieb will, kann dies nur sichergestellt werden, wenn sich die Gemeinden zu einer Trägerschaft zusammenschliessen.

Verlieren die Gemeinden ihre Mitsprachemöglichkeiten, wenn der Zweckverband aufgelöst wird?

Bei beiden Nachfolgeorganisationen, der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Akutspital und der interkommunalen Anstalt Langzeitpflege behalten die Gemeinden Möglichkeiten zur Mitbestimmung. In interkommunalen Vereinbarungen (IKV) legen die Stimmberechtigten die Grundausrichtung und wichtige Rahmenbedingungen der Nachfolgeorganisationen fest. Über die IKV und alle künftigen Änderungen daran wird an der Urne abgestimmt. Die Gemeinderäte der an den Nachfolgeorganisationen beteiligten Gemeinden genehmigen unter anderem den Geschäftsbericht und die Jahresrechnung, und sie ernennen den Verwaltungsrat und die Kontrollstelle.