High Protein – Trend oder sinnvoll?
«High Protein»-Produkte liegen im Trend und versprechen eine erhöhte Proteinzufuhr. Doch wie sinnvoll sind diese Lebensmittel tatsächlich? Protein ist für unseren Körper unverzichtbar, allerdings sind spezielle Produkte nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist eine ausgewogene Ernährung mit natürlichen, proteinreichen Lebensmitteln.
«High Protein» steht heute auf vielen Lebensmitteln im Supermarktregal – von Joghurts und Drinks über Brot bis hin zu Chips. Als «High Protein» darf ein Lebensmittel bezeichnet werden, wenn mindestens 20 Prozent seines Energiegehalts aus Protein stammen. Entscheidend ist also nicht nur die Menge an Eiweiss, sondern auch dessen Anteil an den gesamten Kalorien.
Warum Protein wichtig ist
Protein, auch Eiweiss genannt, ist für unseren Körper unverzichtbar. Es ist ein wichtiger Baustein für Muskeln, Knochen, Haut und Haare und wird zudem für Hormone, Enzyme und das Immunsystem benötigt. Ausserdem sorgt Protein für ein längeres Sättigungsgefühl, da es langsamer verdaut wird als beispielsweise einfache Kohlenhydrate. Mit zunehmendem Alter wird eine ausreichende Proteinzufuhr besonders wichtig. Für Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren werden rund 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag empfohlen, ab 66 Jahren etwa 1,0 bis 1,2 Gramm.
Der Trend zu proteinreichen Lebensmitteln hat deshalb durchaus seine Berechtigung. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen natürlich proteinreichen Lebensmitteln wie Magerquark oder Hüttenkäse und industriell angereicherten Produkten. Proteinriegel, Drinks oder Desserts können zusätzlich Zucker, Süssstoffe, Aromen und weitere Zusatzstoffe enthalten. Der Aufdruck «High Protein» macht ein stark verarbeitetes Lebensmittel deshalb nicht automatisch gesund.
Protein steckt in vielen Lebensmitteln
Wer ausreichend Protein aufnehmen möchte, braucht nicht zwingend spezielle Produkte. Gute pflanzliche Quellen sind beispielsweise Linsen, Bohnen, Tofu, Seitan, Quinoa, Nüsse und Samen. Auch mageres Fleisch, Fisch, Eier sowie Milchprodukte wie Magerquark, Skyr, Hüttenkäse, Blanc Battu und Joghurt liefern viel Protein. Pflanzliche Proteinquellen lassen sich sinnvoll kombinieren, beispielsweise Reis mit Bohnen.
Im Alltag lässt sich die Proteinversorgung einfach umsetzen: Zum Frühstück eignen sich Skyr oder Magerquark mit Früchten und Nüssen. Mittags können Hülsenfrüchte, Fleisch oder Fisch mit Gemüse und einer Beilage kombiniert werden. Abends bieten sich Hüttenkäse oder eine Eierspeise an. Als Snack eignen sich gekochte Eier, Edamame, Nüsse oder Quark mit Früchten.
Fazit: Protein ist wichtig, doch «High Protein» ist kein Gütesiegel. Natürlich proteinreiche und wenig verarbeitete Lebensmittel sind meist die bessere und günstigere Wahl. Entscheidend ist nicht der Aufdruck auf der Verpackung, sondern die Qualität der gesamten Ernährung.
Bernadette Signer-Zurfluh