Hoffnung bei Alzheimer: Neue Antikörpertherapie
Die Alzheimerkrankheit gehört zu den häufigsten Ursachen für Demenz. Sie führt dazu, dass Gedächtnis, Orientierung und Alltagsfähigkeiten schrittweise verloren gehen. Lange Zeit konnten Medikamente nur die Symptome etwas lindern, doch nun sorgt eine neue Form der Behandlung für vorsichtige Hoffnung: die Antikörpertherapie.
Wie funktioniert die Therapie?
Antikörper sind Eiweisse, die unser Immunsystem produziert, um schädliche Stoffe zu erkennen und zu bekämpfen. In der Alzheimertherapie werden speziell entwickelte Antikörper eingesetzt, die sich gezielt an sogenannte Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn binden. Diese Ablagerungen gelten als ein zentrales Merkmal der Krankheit. Die Antikörper markieren diese schädlichen Eiweissklumpen, sodass das Immunsystem sie besser abbauen kann. Entsprechende Studien zeigen, dass es tatsächlich gelingt, diese Ablagerungen um bis zu 90 % zu verringern. Gleichzeitig scheint sich der Krankheitsverlauf bei einigen Patientinnen und Patienten um bis zu 35 % zu verlangsamen. Das ist ein bedeutender Fortschritt in der Behandlung.
Ist eine Heilung möglich?
Stoppen oder gar Heilen kann die Antikörpertherapie die Alzheimerkrankheit derzeit aber nicht. Zudem wirkt sie vor allem in frühen Krankheitsstadien. Daher ist eine möglichst frühe fachärztliche Diagnosestellung wichtig.
Welches sind die Risiken?
Bei manchen Behandelten traten Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen oder kleine Blutungen im Gehirn auf. Deshalb wird die Therapie engmaschig überwacht und ist nicht für alle Betroffenen geeignet.
Wie verläuft die Behandlung?
Ein weiterer Punkt ist die aufwändige Durchführung der Therapie. Bereits vor Therapiebeginn benötigt es verschiedene diagnostische Abklärungen. Die Behandlung erfolgt anschliessend über monatliche Infusionen während 1 ½ Jahren, begleitet von mehreren MRI-Untersuchungen, um Nebenwirkungen auszuschliessen. Fachärztinnen und Fachärzte in spezialisierten Zentren wie der Memory Clinic des Spitals Affoltern dürfen die Abklärungen und Therapie durchführen. Aktuell muss jeweils bei der zuständigen Krankenkasse eine Kostengutsprache für die eher teure Therapie beantragt werden.
Neue Hoffnung?
Expertinnen und Experten bewerten die Entwicklung als wichtigen Meilenstein. Erstmals greift eine Therapie direkt in die vermuteten Krankheitsmechanismen und nicht nur in die Symptome ein. Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet das vor allem eines: neue Hoffnung. Auch wenn noch viele Fragen offen sind, zeigt die Forschung, dass Fortschritte möglich sind – Schritt für Schritt.
Ulrike Darsow